Tag 2 und 3

Januar 27, 2011

Man dreht ja einen Film nicht chronologisch, da muß man auch nicht chronologisch Blog schreiben. Der zweite Tag ist jetzt schon wieder eine Woche her, aber Film ist immer Gegenwart, und heute machen wir Stunt. Jacob und Robert fahren auf Fahrrädern nebeneinander her, und währenddessen fällt Jacob dauernd hin. Und Jacob Matschenz wäre nicht Jacob Matschenz, wenn er diesen Stunt nicht selber machen würde. Erst auf bereitgelegte Matten, dann ohne. Wir fahren eine kleine Straße im Friedrichshain entlang, und zwar mit einer dieser eiförmigen Plastikrikschas, wie sie immer in Mitte herumfahren. Wenn man da nämlich das eiförmige Plastik abnimmt, bleibt ein Stahlgestell, und da hat Sven, der Bühnenmann, einen Unterbau für die Kamera draufgezimmert.  Daß alles, was im Film simpel aussieht, in Wahrheit total kompliziert und umständlich ist, muß man nicht näher ausführen. Es laufen immer ganz viele Menschen mit Kabeln umher, und wenn man es mal schafft, ein Kabel durch eine Funkstrecke zu ersetzen, dann fällt die bestimmt im entscheidenden Moment aus, und dann stellt man außerdem fest, daß irgendwas Geräusche macht, die es nicht machen soll. Alles bekannt, alles banal, wir müssen weiter, und zwar in ein komplett zugemülltes Zimmer voller Umzugskram. Da sind wir auch am dritten Tag wieder, in der Erinnerung fließt das alles ineinander, und jetzt eine kleine Denkaufgabe für die Filmhochschule: Wenn zwei Leute eine grüne Wand weiß streichen, was man ja logischerweise nur einmal machen kann, wie löst man das filmisch in mehrere Perspektiven auf? Keine Ahnung, ob es uns gelungen ist, aber das Ergebnis sehen Sie auf jeden Fall nächstes Jahr in dem einen oder anderen Kino, falls wir es nicht so miserabel gemacht haben, daß wir die Szene herausschneiden müssen. Und dann drehen wir heute noch eine große Konfrontation: Mehrere Leute begegnen einander und erfahren Dinge, die ihnen nicht gefallen, und am Ende fällt eine Ohrfeige. Ich bewundere meine Schwester Anna für viele Dinge, aber heute kommt noch eins dazu, nämlich die klaglose Professionalität, mit der sie ziemlich oft eine von Aylin ebenfalls hochprofessionell simulierte Ohrfeige mitspielt und dabei auch den einen oder anderen halben Treffer einfängt. Wir freuen uns schon darauf, wie wir am Ende ein hochprofessionelles Ohrfeigengeräusch drauflegen werden. Und auf Tag 4.

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